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wknD? Interview mit Bundestrainer Dirk Bauermann (Teil 1)

Bundestrainer Dirk Bauermann setzte sich in den letzten Jahren immer wieder vehement für eine Steigerung der Einsatzzeiten deutscher Spieler in der Basketball-Bundesliga ein. Getan hat sich jedoch nach wie vor nur wenig. Im ersten Teil des wknD-Interviews spricht Dirk Bauermann über diese Problematik und das Potential junger deutscher Spieler.

wknD: Herr Bauermann, Sie haben sich in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder für eine Erhöhung der Einsatzzeiten deutscher Spieler stark gemacht.  Die Erhöhung der Quote zu Beginn der Saison hat sich bisher nur unwesentlich auf die Erhöhung der Spielzeit deutscher Spieler ausgewirkt. Sind die Schritte, die die Liga unternommen hat, nicht ausreichend, um deutschen Spielern mehr Einsatzzeit zu verschaffen?

Dirk Bauermann: Eine konkrete Verbesserung im Hinblick auf eine deutlich spürbare Erhöhung der Spielzeit war nicht zu erwarten und ist leider auch nicht eingetreten.  Ich habe immer gesagt, dass die Erhöhung der Quote, so wie sie für die laufende Saison beschlossen wurde, zu keinen signifikanten Verbesserungen führen wird. Eine spürbare Verbesserung wird es erst in zwei Jahren geben, wenn die Trainer noch einen Deutschen mehr auf dem Feld brauchen. Insofern überrascht mich die Entwicklung jetzt nicht. Trotzdem hat auch die Entscheidung für dieses Jahr dafür gesorgt, dass die Vereine langfristig umdenken müssen. Es ist mehr Druck im System deutsche Spieler auszubilden und zu entwickeln.

Mannschaften wie Bamberg, Bonn, Braunschweig und Ulm setzten schon vermehrt auf deutsche Spieler. Müssen Top-Vereine wie Alba Berlin und Oldenburg, in denen  deutsche Spieler kaum eine Rolle spielen, mehr Verantwortung übernehmen, um den deutschen Basketball weiter nach vorne zu bringen?

Die größte Verantwortung des Vereins  ist es, erfolgreich zu sein. Die Rahmenbedingungen zu setzen, unter denen dann Erfolg erreicht oder nicht erreicht wird, ist die Aufgabe der Liga insgesamt. Ich freue mich über jeden deutschen Spieler, der spielt, obwohl er es im Sinne der Quotierung eigentlich nicht müsste, weil man ja in der Tat, wie Berlin oder Oldenburg es praktizieren, entweder mit einem oder ganz ohne deutsche Spieler antreten kann. Deshalb freue ich mich ganz besonders über Vereine wie Ulm, Bamberg oder Bonn, die mit mehr Deutschen  spielen, als sie eigentlich müssten. Dennoch ist es notwendig, die Quotierung so zu verändern, dass alle Mannschaften verpflichtet sind deutsche Spieler einzusetzen und auch unter solchen Bedingungen erfolgreich sein zu müssen. Das sollte das Ziel sein. Berlin oder Oldenburg vorzuwerfen, dass sie deutschen Spielern nicht mehr Anteile geben, ist einerseits nachvollziehbar und richtig, andererseits handelt es sich aber  um Profisport und da geht es im Wesentlichen darum erfolgreich zu sein. Wenn es im Moment noch erlaubt ist ohne Deutsche zu spielen,  dann ist das sicher eine wählbare, wenn auch nicht die wünschenswerte, Alternative. Es ist Aufgabe der Liga sicherzustellen, dass das in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.

Welche Regelung ist denn Ihrer Meinung nach die beste, um deutschen Spielern wieder zu mehr Einsatzzeit zu verhelfen?

Ich habe immer gesagt: Die Lösung, die uns am Ende substanziell weiterbringt, sieht so aus, dass wir entweder wenigstens einen Deutschen auf dem Feld haben müssen oder dass es nicht mehr als vier Ausländer pro Mannschaft  geben darf, was ja im Prinzip auf das Gleiche hinaus läuft. Das wäre die einzige Lösung, die uns in einem Siebenmeilenschritt nach vorne bringen würde. Alles andere sind wichtige und sicher auch notwendige Zwischenschritte, aber nicht mehr.

Inwiefern fordern Sie noch mehr Unterstützung von Seiten der Medien und auch der Fans bei diesem Thema?

Die Medien haben dieses Thema ja immer wieder – zum Teil auch massiv- aufgegriffen.  Insbesondere ist für die überregionalen Medien eine Liga nicht sehr interessant, in der es nur einen sehr geringen Wiedererkennungseffekt und wenige deutsche Spieler gibt.  Das ist sicher von den Medien auch immer wieder formuliert worden. Jede Stimme, die sich da erhebt, übt zusätzlichen Druck auf das System aus sich weiter zu reformieren. Das ist wichtig für uns. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Fans. Ich glaube, die Aussage, dass es den Fans egal sei, ob da nun Deutsche oder Ausländer spielen, solange ihre Mannschaft gewinnt, stimmt nicht. Natürlich ist es den Fans wichtig, dass die Mannschaft erfolgreich ist, aber je mehr Deutsche in einer erfolgreichen Mannschaft involviert sind, umso besser gefällt das auch den Fans.

Trotz der schwierigen Situation der deutschen Spieler in der BBL hat die Nationalmannschaft ohne Dirk Nowitzki im vergangenen Sommer eine tolle Europameisterschaft gespielt. Inwiefern konnte die junge Mannschaft von dem Fehlen ihres Superstars profitieren?

Es war natürlich ein gelungener Sommer. Alles in allem kann man sehr zufrieden sein mit der Entwicklung der jungen Spieler. Die  Situation der deutschen Spieler in der Liga ist jedoch unbefriedigend, was ja auch daran sichtbar wird, dass zwei der Spieler, die erfolgreich in der Nationalmannschaft gespielt und auch bewiesen haben, dass sie auf  europäischem Top-Niveau mithalten können, noch überhaupt nicht in der BBL gespielt haben, sondern nur in Ligen darunter. Das zeigt eigentlich, dass an dem System etwas nicht stimmt und sich da etwas ändern muss. Ich bin allerdings sicher,  die Entwicklung der Spieler wäre ähnlich positiv verlaufen, wenn Dirk und Chris Kaman dabei gewesen wären, denn sie hätten sicher von deren Vorbildfunktionen lernen können. Andererseits hat natürlich die Tatsache, dass die beiden nicht mit dabei waren, die Spieler gezwungen sofort Verantwortung zu übernehmen. Das war sicher ein großes Risiko, aber weil sie am Ende erfolgreich waren, war es eine durchaus positive Erfahrung für die jungen Spieler. Insofern kann man alles in allem sehr zufrieden sein. Trotzdem ist zu hoffen, dass beide bei der Weltmeisterschaft dabei sein werden, weil das sowohl für die Motivation als auch für die Entwicklung der Mannschaft noch einmal  einen Schub  bedeuten würde.

Welche Spieler haben Sie im bisherigen BBL-Saisonverlauf besonders überzeugt?

Eigentlich haben fast alle Spieler den Schwung aus dem Sommer mitgenommen. Insbesondere finde ich, dass die Entwicklung von Tibor Pleiß, gerade auch was mentale Stärke, Beständigkeit und Kontinuität der Leistung angeht, so nicht zu erwarten war. Bei ihm sieht man eben, dass fast immer dann, wenn Trainer jungen deutschen Spielern eine Chance geben und ihnen ihr Vertrauen schenken, sie das rechtfertigen können. Natürlich ist auch Robin Benzing für Ulm ein absoluter Leistungsträger. Er hat da alle Freiheiten, was für seine Entwicklung natürlich besonders wichtig ist. Ein Spieler,  der sich im Laufe der Saison in den Vordergrund gespielt hat, ist sicher Philipp Schwethelm. Er war ja im vergangenen Sommer unter den letzen 16 Spielern der Nationalmannschaft und hat am Ende nicht den Sprung in den Kader geschafft. Jetzt zeigt er in Bremerhaven, dass er zu den Spielern gehört, mit denen in diesem Sommer zu rechnen ist,  nachdem er am Anfang kaum gespielt hatte, dann aber plötzlich seine Rolle gefunden und stark gespielt hat.

Neben den Spielern, die in Deutschland spielen, beobachten Sie zusätzlich die deutschen Spieler an den amerikanischen Colleges. Wie beurteilen sie die Entwicklung von Elias Harris?

Elias hat eine Leistungsexplosion erlebt. Nachdem er in Deutschland in der dritten Liga gespielt hat, hat er gezeigt, dass er auf höchstem Niveau in Europa eine Rolle spielen kann, und zwar auch noch unter schwierigen Bedingungen, denn er musste lernen von der Vier raus zu gehen auf die Drei. Diese Entwicklung hat er jetzt fortgesetzt. Er spielt zwar wieder die Vier in Gonzaga, aber da er jetzt weiter unter sehr professionellen Bedingungen trainiert und spielt, konnte er die Entwicklung, die im Sommer begonnen hat, konsequent fortsetzen und gehört jetzt sicher zu den Spielern, an denen wir noch sehr viel Freude haben werden.

Welche deutschen Nachwuchstalente am College sind für Sie im Hinblick auf die A-Nationalmannschaft neben Elias Harris noch interessant?

Im Augenblick ist es vor allem Elias. Es gibt sicher noch andere,  die auf der Liste stehen, aber Elias ist sicher im Moment der Einzige, der eine direkte A-Kader-Perspektive hat.

4 Kommentare

  1. nelaan
    Geschrieben am 15. März 2010 um 15:09 Uhr | Permalink

    “Natürlich ist es den Fans wichtig, dass die Mannschaft erfolgreich ist, aber je mehr Deutsche in einer erfolgreichen Mannschaft involviert sind, umso besser gefällt das auch den Fans.”

    Ich finde es unerträgich, dass zwischen Nationalität und Sympathie eine derat starke Verbindung hergestellt wird. Ich ,als einer dieser “Fans”, möchte Spieler mit Integrität – der Pass ist dabei zweitrangig.

  2. B-Baller68
    Geschrieben am 16. März 2010 um 23:58 Uhr | Permalink

    “Ich finde es unerträgich, dass zwischen Nationalität und Sympathie eine derat starke Verbindung hergestellt wird. Ich ,als einer dieser “Fans”, möchte Spieler mit Integrität – der Pass ist dabei zweitrangig.”
    Wenn es um puren Nationalismus oder gar Rassismus ginge völlig dakor – aber es geht doch um ganz etwas Anderes! Eine Basketballkultur gibt es in diesem Land nur, wenn sich Basketball von unten aus den Schulen und Jugendabteilungen der Vereine entwickelt! Ich bin Basketballfan geworden, weil unsere Schule enge Beziehungen zu einem erfolgreichen Verein hatte! Viele Schüler unserer Schule spielten sehr erfolgreich in den Jugendmannschaften, einige schafften es dann auch in den Profikader. Das schuf Identifikation und Begeisterung! Wenn dieser Sport in unserem Land eine gewisse Verankerung haben soll, brauchen wir erfolgreiche Sportler aus unserer eigenen Jugend heraus in den Leistungssport hinein, auch als Perspektive für Nachwuchsspieler. Darum geht es und sonst um nichts.

  3. BANZAI
    Geschrieben am 17. März 2010 um 12:58 Uhr | Permalink

    Für Dirk Bauermann als Nationaltrainer spielt natürlich die Nationalität eine große Rolle. Ich denke jedoch, dass es für die Fans wichtiger ist, wenn das Kriterium des “Homegrown-Players” erfüllt wird, wie Grübler es dann und wann in die Runde geworfen hat:
    http://gruebelei.de/2009/07/03/von-quotendeutschen-zu-home-grown-players/

  4. alex
    Geschrieben am 17. März 2010 um 17:06 Uhr | Permalink

    Für die positive Entwicklung des Basketballs in Deutschland müssen sich die Fans meiner Meinung nach einfach mehr mit dem Sport bzw. den Spielern dieses Sports identifizieren können. Das kann vor allem durch zwei Maßnahmen passieren:
    1. Die Liga produziert mehr deutsche Stars.
    2. Die Stars aus dem Ausland können dauerhaft an die Vereine gebunden werden.
    Falls sich in diesen Bereichen in den nächsten Jahren nichts ändert, kann der Basketball hierzulande wohl kaum an Popularität hinzugewinnen!

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  1. Von Korbsport.de » Presseschau: Coaches im Mittelpunkt um 20. März 2010 Uhr am 01:04

    [...] guter Letzt gibt es noch zwei weitere Interviews, die die Kollegen von waskommtnachDirk.de mit Bundestrainer Dirk Bauermann und Bonns Head Coach Michael Koch geführt [...]

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