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wknD? Interview mit Bundestrainer Dirk Bauermann (Teil 2)

Im zweiten Teil des wknD-Interviews mit Dirk Bauermann spricht der Bundestrainer und Ballside.com-Befürworter über die Aussichten der Dallas Mavericks in dieser Saison, die Absichten von Dirk Nowitzki und Chris Kaman im Hinblick auf die WM und die Möglichkeiten der deutschen Nationalmannschaft in diesem und den kommenden Jahren.

wknD: Bei Ihrer jüngsten USA-Reise haben Sie natürlich auch wieder  Zeit in Dallas verbracht. Nach dem letzten Trade spielen die Mavericks sehr erfolgreich Basketball. Wie beurteilen Sie die Chancen der Mavericks in diesem Jahr?

Dirk Bauermann: Ich habe die Mannschaft vor kurzem noch gesehen und hatte auch vorher viel Kontakt zu Dirk, der sich sehr darüber gefreut hat, dass Caron Butler ihm  noch einmal eine echte Option in der Offensive gibt. Wahrscheinlich ist er auch ein besserer Mannschafts- und Verteidigungsspieler als es Josh Howard war. Mit Brendan Haywood ist die Mannschaft ist natürlich auch unter dem Korb athletischer geworden. DeShawn Stevenson ist ebenfalls nicht schlecht von der Bank. Insofern war das sicher ein Trade, der der Mannschaft sehr geholfen hat. Man darf gespannt sein, denn den Mavericks ist in dieser neuen Konstellation sehr viel zuzutrauen. 

Sie haben sich kürzlich neben Dirk Nowitzki auch mit  Chris Kaman zusammengesetzt, um über ein Comeback in der Nationalmannschaft zu reden. Wie stehen die Chancen, dass Dirk Nowitzki und Chris Kaman bei der WM in der Türkei mit dabei sein werden?

Die Chancen stehen 50:50, würde ich sagen. Wenn es nur nach den beiden ginge, würden sie sicher spielen. Beide wollen es unbedingt und haben auch viel Spaß an der jungen Generation, die in der Nationalmannschaft eine neue Perspektive bietet, auch in Hinblick auf 2012. Aber es ist ein kompliziertes Geflecht: Die Interessen der Vereine,  die Gesundheit – Dirk wird nicht jünger und Chris ist häufig verletzungsgefährdet. Das sind Dinge, die zusammen spielen, weil die Vereine vor allem Interesse daran haben, in der Saisonvorbereitung frische, ausgeruhte und vor allem gesunde Spieler zu haben. Insofern wird das, glaube ich, ein genauso schwerer Kampf wie bei der Europameisterschaft. Aber Dirk und Chris wissen, dass sich auch der Verband und die Fiba weit aus dem Fenster gelehnt haben mit der Vergabe der Wildcard und dass es natürlich bei einer WM noch wichtiger  wäre , dass beide spielen, als es schon bei der EM  gewesen wäre.

Was ist der Nationalmannschaft denn bei der WM zuzutrauen, wenn die beiden NBA- Stars nicht mit dabei sind? Mit Argentinien, Vizeeuropameister Serbien, Angola, das man bei der letzten Weltmeisterschaft erst nach dreifacher Verlängerung bezwingen konnte, Australien und Jordanien, hat die deutsche Mannschaft keine einfache Gruppe erwischt.

Ja, das ist in der Tat eine schwere Gruppe. Ich glaube,  alles hängt davon ab, in welcher Konstellation wir antreten. Wenn wir nur mit den jungen Spielern kommen und dann vielleicht mit Sven Schultze, Steffen Hamann, Demond Greene und Jan Jagla, also mit vier erfahrenen Leuten und acht jungen, dann wäre schon das Erreichen der nächsten Runde, also ein Weiterkommen als Gruppenvierter, ein großer Erfolg. Dazu muss man die im Vergleich zu Olympia noch stärker gewordenen Angolaner besiegen. Jordanien zu schlagen wird auch nicht einfach sein. Bei einer Weltmeisterschaft muss man bei einer jungen Mannschaft auch sehen, ob sie mit dem Druck zurechtkommt. Dennoch muss  das Ziel sein die Vorrundengruppe zu überstehen und dann den Rest als Erfahrung mitzunehmen. Wenn Dirk und Chris spielen oder einer von beiden, dann dürfen wir uns sicher noch ein bisschen mehr zutrauen. Wenn beide spielen, dann glaube ich, dass wir zumindest gut genug sind, um unter die besten acht zu kommen, vielleicht sogar noch ein bisschen weiter. Denn bis auf die Amerikaner und vielleicht noch die Spanier gibt es dann keine Mannschaft auf der Welt, die stärker auf den Positionen vier und fünf ist als wir. Wenn man Robin Benzing und Elias Harris auf der Drei nimmt, dazu Heiko Schaffartzik, der gezeigt hat, dass er – mit seinem großen Selbstvertrauen und seinem großen Herzen – auf diesem Niveau durchaus eine Rolle spielen kann, dann die jungen Leute, die auf den Flügeln noch nachkommen, so glaube ich, dass wir dann wirklich eine Chance haben unter die letzten acht zu kommen und vielleicht auch auf das Halbfinale schielen können. Dazu müssten aber beide Stars spielen und auch gesund sein. Ich befürchte, das wird noch ein dorniger Weg. 

Für Sie als Bundestrainer ist die Zusammenstellung einer jungen deutschen Nationalmannschaft mit Sicherheit auch eine der größten Herausforderungen Ihrer bisherigen Karriere.

Es hat schon viele interessante Herausforderungen in meiner Karriere gegeben, aber das ist sicher eine davon. Mit einer jungen deutschen Nationalmannschaft bei einer WM zu spielen und in zwei Jahren zu versuchen eine Olympiaqualifikation zu schaffen, ist bestimmt eine Herausforderung, die mir großen Spaß macht und die mich fasziniert.

Sie haben immer wieder die Klasse vieler junger deutscher Spieler angesprochen. Wo kann sich die deutsche Nationalmannschaft in den kommenden Jahren positionieren?

Ich glaube, dass wir natürlich abwarten und geduldig sein müssen mit den Entwicklungen der jungen Spieler. Da ist wirklich eine Menge Musik drin. Man darf wirklich die berechtigte Hoffnung haben, dass die sich weiterentwickeln. Trotzdem muss man mit solchen Einordnungen vorsichtig sein, da der europäische Basketball unglaublich stark ist. Überall kommen ständig neue Talente nach. Man darf nicht vergessen, dass die Generation, die jetzt bei uns für positive Schlagzeilen sorgt, bei der U20 Gruppe gerade so die A-Gruppe gehalten hat. Sicher wäre  auch mehr drin gewesen, aber am Ende sind sie eben doch nur 15. geworden. Insofern muss man trotz aller Begeisterung und trotz allem Optimismus sicher auch vorsichtig sein mit übertriebenen Erwartungen. Aber wenn sich die Jungen positiv entwickeln, dann können wir uns auch ohne Dirk und Chris in den nächsten vier bis acht Jahren stabil zwischen den besten acht bis zwölf Mannschaften platzieren. Allerdings ist der europäische Basketball unglaublich stark und ausgeglichen. Wenn man sich da einmal auf dem Weg nach unten befindet, wie die Italiener im Moment, dann ist es sehr schwer wieder nach oben zu kommen. Warten wir die Zukunft einmal ab, aber ich glaube, optimistisch dürfen wir sein.

 

wknD Interview mit Bundestrainer Dirk Bauermann (Teil 1)

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