RSS Feed

wknD? Interview mit Per Günther

Per Günther ist Deutschlands größtes Nachwuchstalent auf der Point Guard Position. In seiner zweiten Saison bei Ratiopharm Ulm hat sich der 21-jährige nochmals weiterentwickelt und gehört mit statistischen Werten von 6,5 Punkten, 2,1 Rebounds, 2,8 Assists und 0,6 Steals bei einer Trefferquote von 44% aktuell zu den besten deutschen Spielern der BBL. Aufgrund dessen wurde Günther von den Fans kürzlich sogar ins All Star Team der Südauswahl berufen. Mit wknD spricht der junge Aufbauspieler über Austen Rowland, Lucca Staiger, die Einsatzzeit deutscher Spieler in der BBL und die Nationalmannschaft.  

 

wknD: Per, Du hast im letzten Jahr den Durchbruch in der BBL geschafft und bist sogar erstmals in die Nationalmannschaft berufen worden. In der aktuellen Saison hast Du Deine Leistung nochmals gesteigert. Inwiefern hat Deine Entwicklung mit dem Vertrauen Deines Trainers Mike Taylor zu tun, der Dir ja sehr viel Einsatzzeit gibt?

Per Günther: Zu 100%. Ich denke, als junger Spieler hat man immer sich selbst gegenüber die Verantwortung, zu einem Verein zu wechseln, bei dem es realistische Chancen auf Spielzeit gibt. Dann kommt es auf den Trainer an. Der Trainer ist unglaublich wichtig. Wenn er an dich glaubt und dir vertraut und du dadurch Selbstvertrauen gewinnst, dann funktioniert es. Klar muss man auch individuell an sich arbeiten, wenn man 20 ist und zu einem Erstligaverein geht. Aber es ist wichtig , dass der Trainer dich spielen lässt, immer weiter mit dir arbeitet und auch dann an dir festhält, wenn du als junger Spieler mal durch ein Tief gehst.

Mit der Verpflichtung von Austen Rowland hat sich Deine Einsatzzeit deutlich verringert. Inwieweit kann er den Ulmern helfen, und was bedeutet das für Dein Spiel?

Ich hoffe, dass Austen Rowland uns hilft, mehr Spiele zu gewinnen als bisher. Das wäre auch für mich sehr positiv. Ich meine, Basketball ist immerhin ein Mannschaftssport, und ich bin nicht bei Ratiopharm Ulm, um unbedingt immer 30 Minuten zu spielen, aber jedes Spiel zu verlieren. Dann lieber andersrum. Ich werde weiter meine Minuten bekommen, und ansonsten ist das ein ganz normaler Konkurrenzkampf, wie das im Sport so üblich ist.

Was ist den Ulmern nach den Neuverpflichtungen in dieser Saison noch zuzutrauen? Ist noch mit einem Playoff-push zu rechnen?

Ich finde, darauf sollten wir gar nicht schauen. Wir sollten einfach alles machen, was nötig ist, um Spiele zu gewinnen. Am Ende der Saison wird man dann  weitersehen. Jetzt geht es zuerst nur darum, uns so weit wie möglich von den Abstiegsrängen zu entfernen.

In Ulm und Bonn stehen mit Dir und Robin Benzing gleich zwei junge Deutsche regelmäßig und vor allen Dingen lange auf dem Feld. Ein Zustand, wie er – außer in Ulm -  nur noch in Bamberg zu finden ist. Was müsste die Liga ändern, damit man mehr junge deutsche Spieler in Aktion sieht?

Das ist eine sehr komplexe Frage, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen.  Viele Trainer stehen so unter Druck, dass sie nicht das Risiko eingehen wollen, deutsche Spieler antreten zu lassen. Ich glaube,  die Trainer  müssen erkennen, dass das Risiko nicht so groß ist, wie sie denken, wenn  sie Deutsche spielen  lassen; denn deren Qualität ist inzwischen sehr gut. Außerdem ist es nicht so, dass man jedes Mal, wenn man mit einem Deutschen und vier Amerikanern spielt, dann immer in fünf Minuten 20 Punkte kassiert. So läuft das nicht. Ich denke, mittelfristig muss  einfach ein Umdenken stattfinden. Die Vereine müssen deutschen Spielern unbedingt mehr Spielzeit geben, selbst wenn es am Anfang nur wenige Minuten sind.

Kennst Du die aktuelle Quote der Deutschen?

Nein.

Sie liegt derzeit bei 18,6%. Bis 2012 will die Liga eine Quote von 30% erreichen. Was hältst Du von den Maßnahmen, die die Liga getroffen hat, um die Quote zu erhöhen?

Da scheiden sich die Geister, ob eine ganz schnelle Umstellung oder  eine Umstellung Schritt für Schritt besser gewesen wäre. Ich denke, Letzteres ist die richtige Lösung.

Wie beurteilst Du die Maßnahmen, die es in anderen europäischen Ligen gibt, in denen immer mindestens ein einheimischer Spieler auf dem Feld stehen muss?

Das ist sicherlich eine interessante Sache. Es kommt da natürlich auch auf die Qualität der Spieler an. Die Manager werden  wieder sagen, die Qualität sei hier nicht gut genug. Bei 18 Teams müsste man dann drei gute Deutsche haben. Wir haben aber keine 48 deutschen Spieler, die  stark genug sind. Ich denke, dass wir vielleicht  in ein paar Jahren so weit sein werden. Jetzt müssen überhaupt erst einmal Deutsche spielen. Später wird dann sicherlich noch eine weitere Steigerung möglich sein.

Mit Lucca Staiger ist jüngst ein neuer starker Spieler in die BBL gewechselt. Bei Alba Berlin wird er vermutlich deutlich weniger Einsatzzeit bekommen, als noch am College. Wie bewertest Du seine Entscheidung?

Ich glaube, dass Lucca ein cleverer Junge ist. Er hat  seine Berater und wird auch selbst gründlich darüber nachgedacht haben. Auf jeden Fall ist er gut genug,  um sich in Berlin durchzusetzen. In dieser Saison wird es mit Sicherheit nicht leicht für ihn werden. Mitten in der Saison zu Alba zu gehen, ist für keinen Spieler einfach. Wenn er dieses Jahr dorthin geht, um den Trainer kennen zu lernen und sich an die Systeme zu gewöhnen, dann wird er  im nächsten Jahr sicherlich eine realistische Chance haben, eine gute Rolle bei Alba zu spielen.

Meinst Du, er kann sich dort längerfristig zum Topspieler entwickeln und auch zukünftig für die Nationalmannschaft eine Stütze sein?

Ich glaube schon. Es wird für ihn in Berlin nicht einfach sein, aber er hat auf jeden Fall das Zeug dazu.

Nach Deiner Verletzung im Länderspiel gegen Slowenien konntest Du leider nicht an der EM teilnehmen. Ist die Weltmeisterschaft in der Türkei jetzt Dein großes Ziel?

Ja, auf jeden Fall. Dirk kommt vielleicht zurück und Chris Kaman auch. Das wäre natürlich ein absolutes Highlight. Ich bin auf jeden Fall schon froh,  wenn ich die Chance habe, in der Vorbereitung zu spielen. Aber natürlich will ich dieses Jahr dann auch zur Weltmeisterschaft mitfahren. Ob das möglich sein wird und was alles noch passieren wird, ist noch offen.

Was kommt nach Dirk?

Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten 50 Jahren eine Persönlichkeit wie Nowitzki haben werden, einen Spieler von seiner Qualität, einen MVP in der NBA. Das zu hoffen, wäre nicht realistisch. Wir müssen aber anstreben, in den nächsten 5-10 Jahren vielleicht zehn europäische Topspieler hervorzubringen. Das zu erreichen, halte ich für realistisch, und ich glaube,  einige der Talente, die wir jetzt schon haben,  werden in der Lage sein, diesen Schritt zum Topspieler dann auch zu machen.

Verwandte Artikel:

    wknD Interview mit Tim Ohlbrecht Tim Ohlbrecht ist der momentan stärkste deutscher Spieler in der BBL. Mit den Telekom Baskets Bonn läuft es für ihn in dieser...

    Großes wknD-Interview mit Bundestrainer Dirk Bauermann (Teil 1) „Eine direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft ist möglich!“ Im ersten Teil des großen wknD-Interviews spricht Bundestrainer Dirk Bauermann über Chancen seiner Mannschaft...

    Unsere Talente im Fokus: Jonas Wohlfarth-Bottermann Vor gerade einmal vier Jahren entdeckte Jonas Wohlfarth-Bottermann seine Liebe zum Spiel mit dem orangefarbenen Leder. Den Erfolgen des 19-Jährigen Centers hat...

Ein Trackback

  1. Von wknD Quotendebatte (Woche 18) | Basketball (BBL): Quotendebatte für Nachwuchs-Spieler & Talente - wknD? um 10. Februar 2010 Uhr am 22:16

    [...] die Manager kritisch und bedacht mit den Einsatzzeiten deutscher Spieler auseinandersetzen. Wie Per Günther im wknD Interview jüngst verlauten ließ muss einfach erkannt werden, “dass das Risiko nicht so groß ist, [...]

Kommentieren

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Pflichtfelder sind markiert *

*
*