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wknD Interview mit Philip Zwiener

Philip Zwiener steht wie kein anderer Spieler für die erhöhte Spielzeit der deutschen Akteure in dieser Saison. Mit fast 30 Minuten Einsatzzeit pro Partie steht er in dieser Saison in Trier durchschnittlich mehr als 20 Minuten länger auf dem Parkett als in der letzten Saison in Berlin. Innerhalb kürzester Zeit ist Zwiener in Trier zum Führungsspieler gereift und mit 14,0 Punkten und 5,5 Rebounds pro Partie der Hauptgarant dafür, dass die Trierer eine unerwartet starke Saison spielen. wknD hat den 25-jährigen beim All Star Game getroffen und mit ihm u.a. über seinen Werdegang in diesem Jahr, das Trierer Basketballprogramm, das bevorstehende Spiel gegen seinen Ex-Verein und die derzeitige Situation in Berlin gesprochen.

wknD: Philip, vom Bankdrücker zum All Star in einem halben Jahr. Der Wechsel zu Trier scheint ja die richtige Entscheidung gewesen zu sein nach diesem nahezu optimalen Saisonverlauf.

Philip Zwiener: Ehrlich gesagt habe ich darüber bisher nur sehr wenig nachgedacht. Ich war einfach froh, dass ich in Trier die Chance bekommen habe zu spielen. Das habe ich bisher wirklich sehr genossen und dabei versucht den Kopf auszuschalten und mir nicht so viele Gedanken zu machen. Dass es jetzt natürlich so gut gelaufen ist und dass wir mit TBB jetzt auch so gut in der Tabelle dastehen, freut mich natürlich ungemein und deswegen habe ich es genossen mit den besten Basketballern der BBL auf einem Feld zu stehen. Es ist für mich eine große Ehre.

Denkt man sich dennoch manchmal: Verdammt, das hätte ich alles vielleicht schon ein, zwei Jahre eher haben können?

Ich bin ein Typ, der nicht so viel über die Vergangenheit nachgrübelt. Man kann darüber spekulieren, dass ich Berlin vielleicht früher hätte verlassen sollen, aber ich bereue diese Entscheidung nicht. Ich habe sie damals mit 100%iger Überzeugung getroffen und ich glaube auch, dass ich mich in dieser Zeit als Spieler trotzdem weiterentwickelt habe. Man weiß jetzt natürlich nicht was passiert wäre, wenn ich früher gewechselt wäre. Im Moment bin ich einfach glücklich, dass ich jetzt hier in Trier sein darf und spiele.

Das du viel spielst, ist sicher ein Grund für deine tolle Saison. Kann man deine Entwicklung nur an diesem einen Punkt festmachen?

Sport spielt sich natürlich auch im Kopf ab. Mit Henrik Rödl habe ich einen Trainer, der mir die Chance gibt viel zu spielen. Das gibt mir wiederum Selbstbewusstsein und mit diesem Selbstbewusstsein spielt man einfach besser. In Berlin habe ich eine ganz andere Rolle gehabt, mit nicht so viel Spielzeit. Insofern bin ich einfach überglücklich, dass ich hier in Trier eine Chance bekommen habe und die auch nutzen kann.

Neben dir gibt Henrik Rödl mit Maik Zirbes, Oskar Faßler und Oliver Clay noch drei weiteren deutschen Spielern die Chance sich regelmäßig auf dem Feld zu beweisen. Stellt Trier diesbezüglich eine Vorbildfunktion für die Liga dar?

Ja, auf jeden Fall! Ich glaube da muss man Henrik Rödl auch Respekt zollen. Er hat den Mut gehabt Spieler spielen zu lassen, von denen viele Leute gesagt haben, diese Spieler bringen auf dem Feld keine Leistung. Dass wir jetzt das Gegenteil beweisen, ehrt uns Spieler, aber vor allem auch Henrik Rödl als Trainer. Ich glaube in der Liga gibt es viele deutsche Spieler, die eigentlich gut genug sind, aber einfach nicht die Chance bekommen. Das Programm hier in Trier zeigt eindrucksvoll auf, dass solche Spieler ihre Chance nutzen, wenn sie denn eine bekommen.

Mit diesem Programm bildet TBB Trier jedoch eher die Ausnahme in der Liga. So gibt es insgesamt nur wenige deutsche Führungsspieler in der Liga!

Natürlich könnte diese Situation noch besser sein. Ich glaube man muss aber die Entwicklung in der Bundesliga sehen. Momentan müssen noch fünf deutsche Spieler in einem Zwölferkader sein. In zwei Jahren sind es dann schon sechs. Das ist auch gut so, dass die deutschen Spieler nach und nach gepusht werden, weil sie nur dann zeigen können, dass sie auch sehr gut sind. Die BBL hat meiner Meinung nach also die richtigen Entscheidungen getroffen, die Quote aufzustocken. In den letzten Jahren haben viele junge deutsche Spieler in der BBL einen Schritt nach vorne gemacht. Davon profitiert auch die Nationalmannschaft, wo auch immer wieder neue, junge Spieler nachkommen. Insofern ist das Ganze natürlich ein Prozess, der noch besser sein kann, aber im Moment in die richtige Richtung geht.

Apropos Nationalmannschaft. Eine Nominierung ist doch mit Sicherheit neben dem Erreichen der Playoffs mit TBB Trier eines deiner Saisonziele?

Klar ist es für mich nach wie vor ein Traum wieder für die Nationalmannschaft spielen zu können. Momentan gilt meine volle Aufmerksamkeit allerdings TBB Trier. Was im Sommer kommt, ist erstmal noch lange hin und wenn ich wirklich nominiert werden sollte, freue ich mich natürlich um so mehr. Aber ehrlich gesagt verschwende ich da jetzt wirklich noch keine Gedanken daran. Wir müssen mit Trier jetzt einfach eine gute Rückrunde spielen. Es wird sich zeigen, wo wir dann am Ende stehen. Aktuell denken wir nur von Spiel zu Spiel.

Okay! Denken wir von Spiel zu Spiel. Euer nächster Gegner lautet Alba Berlin! Bei deiner Rückkehr nach Berlin beim Hinspiel im November wart ihr schon nah dran am Sieg. Wie ist es für dich gegen deinen Ex-Klub zu spielen und was müsst ihr am kommenden Sonntag anders machen um das Rückspiel zu gewinnen.

Gegen Berlin zu spielen ist natürlich ein besonders Gefühl für mich. Ich habe ja fünf Jahre dort gespielt. Ich kenne in Berlin viele Spieler sehr gut und habe dort auch noch viele Freunde. Wenn das Spiel losgeht, konzentriere ich mich allerdings voll und ganz auf TBB Trier. Mein ganzer Fokus liegt darauf Berlin zu schlagen. Im Hinspiel hatten wir am Anfang einfach ein bisschen zu viel Respekt. Alba Berlin ist in Deutschland zwar eine große Mannschaft, aber sie sind auf keinen Fall unschlagbar. Das muss uns im Rückspiel von Anfang an bewusst sein. So wie es aussieht haben wir für dieses Spiel ein volles Haus, was mich natürlich freut. So werden uns unsere tollen Fans natürlich von Anfang an nach vorne pushen, sodass wir ohne Angst auftreten können. Ich freue mich natürlich ungemein darauf. Es wird natürlich viel Small Talk vor dem Spiel geben, aber am Ende zählt nur der Sieg.

Siege gab es in Berlin zuletzt nicht wie erhofft. Aus diesem Grund gehen Luka Pavicevic und Alba Berlin getrennte Wege. Wie beurteilst du die aktuelle Situation in Berlin?

Zu dieser Situation kann ich natürlich nicht viel sagen. Die Alba-Verantwortlichen werden schon wissen, was sie da machen. Natürlich ist es für Berlin nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt haben, u.a. mit der herben Niederlage gegen Bamberg. Ich drücke den Berlinern die Daumen, dass es demnächst wieder besser läuft, sodass sie eine zufriedenstellende Saison spielen können.

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