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wknD Interview mit Stephan Baeck

Stephan Baeck hat im deutschen Basketball nahezu alles erreicht, was man erreichen kann. 133 Länderspiele, der Europameistertitel 1993 und der Gewinn der Korac Cups 1995 sind nur einige Erfolge während seiner Zeit als Profi. Nachdem der gebürtige Kölner viele Jahre lang als Sportdirektor, Geschäftsführer und Trainer der Kölner Erstligamannschaft fungierte, ist er jetzt Gründer des Projekts Ballpark und Basketballexperte beim TV-Sender Sport1. wknD sprach mit ihm über die aktuelle Situation in der BBL und die Zukunft des deutschen Basketballs.

wknD: Herr Baeck, dass es in diesem Jahr mehr deutsche All Stars gab als in den letzten Jahren geht mit der höchsten Quote deutscher Spieler einher, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Ist die BBL diesbezüglich auf einem guten Weg?

Stephan Baeck: Der richtige Weg ist schon eingeschlagen worden, aber es muss noch besser werden. Man sieht, dass die Regel greift und immer mehr Deutsche spielen. Ich glaube, das ist nicht nur für die deutschen Spieler gut, sondern für alle Beteiligten. Denn es geht wirklich darum Gesichter zu finden, die hier in Deutschland groß geworden sind, mit denen sich die Leute identifizieren können und deren Werdegang man verfolgen kann. Das ist wiederum ein Zeichen für alle jüngeren Spieler, die so sehen können, dass es wieder mehr deutsche Spieler in der Liga gibt, die nicht nur auf der Bank sitzen, sondern auch spielen. So hat man als Schüler oder als Jugendlicher auch eine Perspektive und kann sehen, dass man irgendwann auch in der BBL ankommen kann. Nur dann ist es den  jungen Spielern möglich die erforderliche Zeit und Energie in die eigene Entwicklung zu stecken, die es braucht um sich auf allerhöchstem Niveau zu etablieren.

Vor allem die Jahrgänge 1988 und 1989 haben starke Spieler hervorgebracht. Die darauf folgenden Jahrgänge haben in der BBL bisher allerdings weniger überzeugen können. Sind die ansteigenden Spielzeiten der Deutschen eine Momentaufnahme oder ein genereller Trend?    

Ich würde da nicht so stark unterscheiden zwischen dem 89er und dem 90er Jahrgang, denn im Endeffekt ist es egal, ob ein Spieler nun 19, 20 oder 21 Jahre alt ist. Ich denke einfach, dass die Botschaft wichtig ist, die an junge basketballbegeisterte Spieler, die noch viel jünger sind, geliefert wird. Diese können dann einfach sehen: Wenn ich mich weiterentwickle, dann habe ich die Chance in ein paar Jahren in der BBL zu spielen.

Ich kenne die Spieler aus den Jugendnationalmannschaften ganz gut und glaube, dass wir da in den nächsten Jahren Einiges erwarten können. Da gibt es im Moment wirklich viele große Talente, von denen wir in den nächsten Jahren mit Sicherheit einige in der Bundesliga wiedersehen werden.

Viele Talente hat derzeit auch die Türkei, was man an den jüngsten Ergebnissen der Nationalmannschaft gesehen hat. Dort müssen immer zwei einheimische Spieler auf dem Feld stehen. Auf der einen Seite hat das den türkischen Basketball weiter nach vorne gebracht, auf der anderen Seite verliert die Liga dadurch aber auch ausländische Stars wie Heiko Schaffartzik! Wäre eine solche Regelung für die BBL auch sinnvoll? 

Die Regel in der Türkei hat uns ja einen deutschen Nationalspieler in die Liga zurückgebracht, von daher ist die Regel für uns gut! Nein, Spaß beiseite. Ich glaube, dass wir in Deutschland auf dem richtigen Weg sind. Die ganze Situation erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl. Der Marktwert der deutschen Spieler steigt durch die Regeländerung natürlich. Da muss man in Zukunft dann auch ein Auge drauf haben, weil die Vereine sonst wieder nach billigeren Ausländern schreien. Ich denke, dass gute deutsche Spieler das Niveau der Liga in Zukunft dauerhaft anheben können. Das ist wichtig! Wenn diese schon in jungen Jahren viel Zeit und Kraft in den Basketball investieren, dann bringen sie auch die Leistung. Denn am Ende zählt nur die Leistung. Die Deutschen, die jetzt viel Spielzeit bekommen, bringen ihre Leistung.     

Oft bekommen diese Spieler aber nur bei kleinen Klubs viel Spielzeit. Das beste Beispiel dafür ist Philip Zwiener!

Optimal wäre es natürlich, wenn das Ganze Hand in Hand geht. D.h. man trainiert bei einem guten Verein, wo man von starken Mitspielern und einem guten Coach viel lernen kann. Man hat den Wettbewerb mit guten Mitspielern, setzt sich durch und bekommt dann nach und nach mehr Spielzeit. Bei Philip Zwiener war es leider so, dass er sehr viel gelernt und auch gut trainiert hat, aber sich damals auf dem Parkett zu selten zeigen konnte. Die Ziele des Vereins in Berlin waren sehr hoch und andere Spieler haben ihn aus der Rotation gedrängt. Insofern hat er eine richtige Entscheidung getroffen und ist zu einem Verein gegangen, bei dem er sehr viel Vertrauen genießt und Verantwortung bekommt. Das zahlt er im Moment zurück. Er zeigt jetzt, was er in Berlin gelernt hat, denn ich glaube schon, dass er sich dort sehr stark weiterentwickelt hat. Durch die Chance, die er jetzt in Trier bekommt, ist er zu einem der stärksten Spieler der Liga geworden.

BBL Präsident Dr. Thomas Braumann hat vor einiger Zeit gesagt, dass die BBL noch nicht reif sei für eine 6 und 6 Regel und dass die Qualität der Liga dadurch erheblich leiden würde. Bundestrainer Dirk Bauermann ist hingegen von der Qualität der deutschen Spieler überzeugt und würde eine Regel begrüßen, die immer einen deutschen Spieler auf dem Feld vorsieht. Wer hat letztendlich recht?

Das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Ich glaube, dass beide Positionen ihre Berechtigung haben, weil es jeder natürlich aus dem eigenen Blickwinkel sieht. Beide Seiten kämpfen natürlich für ihre eigene Position: Dirk Bauermann für die Nationalmannschaft und Thomas Braumann dafür, dass die Liga noch attraktiver und ihr Niveau möglichst noch höher wird. Beide Parteien müssen sich da einfach annähern. Ich denke schon, dass es genügend gute deutsche Spieler gibt, man braucht nur den Mut diese auch einzusetzen. Man muss zudem aber auch die Begebenheiten der einzelnen Vereine sehen. Es sind vielleicht nicht alle Klubs in der Lage die 6 und 6 Regel problemlos durchzuführen. Für andere wäre es wiederum kein Problem.  Trotzdem glaube ich, dass Dirk Bauermann definitiv recht hat mit der Aussage, dass es genug gute deutsche Spieler gibt und dass es sich auch lohnt diese einzusetzen.

Natürlich ist die BBL darauf bedacht ihre Attraktivität zu steigern. Funktioniert das vor allem mit starken deutschen Spielern?

Natürlich wird die Attraktivität der Liga gestärkt, wenn es viele gute deutsche Spieler gibt, mit denen sich die Fans identifizieren können. Die Leute wissen dann wo der Junge herkommt, was er so macht und was er kann. Wenn diese Spieler sich im Wettbewerb gegen andere Spieler durchsetzten können, dann ist das natürlich toll für die BBL.

Welche Optionen hat die Liga sonst noch um ihre Attraktivität zu steigern?   

Da kann man viel spekulieren. Es ist im Moment definitiv so, dass die Liga auf einem sehr guten Weg ist. Die BBL genießt ein sehr gutes Ansehen in Europa. Sie ist sehr gut organisiert. Es gibt hier nur wenige Unstimmigkeiten finanzieller Art, wie beispielsweis in Griechenland oder der Türkei. Dort werden die Spieler zum Teil nicht rechtzeitig bezahlt. Deswegen hat die Liga auch einen guten Namen bei sehr vielen ausländischen Spielern. Ich denke, dass die BBL auch durch die Sport1-Präsenz noch beliebter wird. Es ist natürlich ein langer Weg. Alle Beteiligten müssen sich kontinuierlich pushen und an sich arbeiten um immer besser zu werden. Der Weg ist vielleicht noch lang, aber ich glaube er lohnt sich.

Nun würden es viele deutsche Basketballfans gerne sehen, dass nach Dirk Nowitzki weitere deutsche Spieler den Sprung in die NBA schaffen. Mit Tibor Pleiß und Robin Benzing könnte es zwei Spielern in den nächsten Jahren gelingen. Was würde ein solcher Schritt für die BBL bedeuten?

Generell glaube ich, ist es eine Aufwertung für die Liga und das deutsche Jugendprogramm, wenn ein Spieler wie Tibor den ganzen Weg gegangen ist. Sprich, wenn er von klein auf über die Jugendmannschaften in Köln in die BBL kommt und sich jetzt in Bamberg in der BBL und in der Euroleague für die NBA empfiehlt. Bei Robin Benzing ist das ähnlich, auch wenn ich seinen Weg in den nächsten Jahren zunächst erst einmal bei den europäischen Spitzenteams und noch nicht in der NBA sehe. Dennoch repräsentieren beide Spieler natürlich die gute Ausbildung in Deutschland und sind ein Aushängeschild für die Liga. Deshalb wäre es natürlich auch ein Verlust, wenn sie in den nächsten Jahren nicht mehr in der BBL spielen würden.

Wir haben es vor fast zwei Jahren schon einmal gefragt: Was kommt nach Dirk und kommt jetzt vielleicht jemand anderes in Frage als damals?

Schon damals habe ich gesagt, dass Tibor ein ganz heißer Kandidat ist. Aktuell ist er es immer noch. Vielleicht muss man schon bald nicht mehr fragen: was kommt nach Dirk, sondern was kommt nach Tibor?!

 

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