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wknD Interview mit Tim Ohlbrecht

Tim Ohlbrecht ist der momentan stärkste deutscher Spieler in der BBL. Mit den Telekom Baskets Bonn läuft es für ihn in dieser Saison richtig gut. Mit durchschnittlich 11,3 Punkten, 4,3 Rebounds, 1,0 Assists, 0,5 Steals und 1,4 Blocks pro Spiel ist der 21-jährige in seiner ersten Saison in Bonn bereits zum Führungsspieler gereift. wknD hat den deutschen Senkrechtstarter der aktuellen BBL-Saison getroffen.

 

wknD: Tim, Du hast Dich in dieser Saison in allen Kategorien im Vergleich zum Vorjahr verbessert.  Dein Wechsel  von Bamberg nach Bonn scheint sich ja ausgezahlt zu haben. Wie erklärst Du Dir Deine plötzliche Leistungssteigerung?

Tim Ohlbrecht: Ich glaube, im letzten Jahr in Bamberg ist einiges anders gelaufen, als ich es mir vorgestellt habe, und zwar nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb des Courts. Deswegen bin ich sehr froh, hier in Bonn zu sein. Hier fühle ich mich sehr wohl. Es passt einfach alles. Angefangen vom Trainer über das Team bis hin zu den Fans und dem gesamten Umfeld. Hier in Bonn ist alles super!

Zu diesem Zeitpunkt der Saison hast Du bereits mehr Dreipunktewürfe verwandelt als in Deiner gesamten (BBL-)Karriere. Inwieweit ist Trainer Mike Koch an dieser Entwicklung beteiligt?

Mike Koch hat schon einen großen Anteil daran. Er setzt mich ja auf der Position des Power Forwards ein. Das ich finde sehr gut, weil das eigentlich meine richtige Position ist. In den letzten Jahren konnte ich leider nur auf der Position des Centers spielen, und da auch nur mit relativ begrenzter Einsatzzeit. Man hat mich in Bamberg nicht so oft spielen lassen, deswegen kamen auch die Würfe leider nicht zu Stande.

Für Dich und die Bonner läuft es in der BBL in letzter Zeit richtig gut. Die Erwartungen in Bonn sind nach zwei Vizemeisterschaften in Folge allerdings sehr hoch. Was sind Deine persönlichen Saisonziele, und was möchtest Du in Bonn erreichen?

Wir möchten auf jeden Fall so viele Erfolge feiern wie möglich. Wir wollen nicht nur beim Final Four dabei sein, sondern dieses Mal auch den Pokal holen. Natürlich möchten wir nicht noch einmal Vizemeister werden. In diesem Jahr wollen wir endlich auch die Meisterschaft gewinnen. Ich denke, unsere Chancen stehen nicht schlecht. Wir haben eine starke Mannschaft, und die Teamchemie innerhalb unserer Truppe ist wirklich gut.

Vor gut zwei Jahren hat Marcin Gortat als Big Man den Sprung aus der BBL in die NBA geschafft, nachdem er in der BBL Meister wurde. Ist die NBA auch für Dich weiterhin ein Ziel?

Über die NBA denke ich im Moment gar nicht nach. Ich habe einen Zweijahresvertrag hier in Bonn, den ich erfüllen möchte. Ich fühle mich hier wahnsinnig wohl und würde nach der gewonnenen Meisterschaft in Bamberg auch gerne mit den Bonnern Meister werden. Die Entscheidung darüber, ob ich in die NBA gehe, ist momentan Nebensache.

Du bist kürzlich von den Fans in die Startformation des Südens für das im Januar in Bonn stattfindende BBL-All Star Game gewählt worden. Neben der Nominierung für die Nationalmannschaft und der Teilnahme an den Olympischen Spielen ist das sicherlich ein weiterer Höhepunkte Deiner Karriere.

Ja klar! Ich durfte diese tolle Atmosphäre ja schon im letzten Jahr miterleben. Das All Star Game ist ein Super-Event. Im letzten Jahr ist alles optimal gelaufen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, das All Star Game zu spielen und das Drumherum zu erleben. Darum freut es mich natürlich wahnsinnig, dass die Fans mich dieses Jahr wieder gewählt haben!

Am vergangenen Wochenende wurde der DBB mit einer Wildcard für die Basketballweltmeisterschaft 2010 in der Türkei ausgestattet. Als einer der besten deutschen Spieler der aktuellen BBL-Saison wirst Du wohl erneut mit dabei sein. Die deutsche Mannschaft muss gegen den Weltranglistenersten Argentinien, den Vizeeuropameister Serbien, Jordanien, Australien und Angola antreten. Siehst Du Chancen, das Achtelfinale zu erreichen?

Ich denke schon, dass wir das Achtelfinale erreichen können. Ich weiß im Moment nicht, ob Dirk Nowitzki und Chris Kaman im Sommer mit dabei sein werden. Von ihrer Teilnahme hängt natürlich ab, wie erfolgreich die Mannschaft sein wird. Aber auch wenn die Mannschaft ohne Dirk und Chris spielt, haben wir gute Chancen, das Achtelfinale der WM zur erreichen. Mit der jungen Mannschaft konnten wir schon im letzten Jahr Erfahrungen sammeln. Es wird also dann das zweite Jahr sein, in dem die jungen Spieler dabei sind. Das Team wird sich dann immer besser formen, glaube ich.

Ohne Dirk Nowitzki hat sich die Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen sehr gut geschlagen. Inwiefern hat sich die Mannschaft ohne den NBA-Spieler Deiner Meinung nach weiterentwickelt?

Gerade die jungen Spieler haben natürlich viel dazu gelernt. Insgesamt hat sich die Verantwortung auf das gesamte Team verteilt. Das Spiel ist  nicht nur auf einen Spieler fixiert gewesen. Jeder Spieler hat mal seine Punkte gemacht und dazu beigetragen, dass wir als Mannschaft erfolgreich waren und unsere Spiele gewonnen haben. Ich glaube, wir haben es insgesamt ganz gut kompensiert, dass Dirk nicht mit dabei war. Zwar haben wir nicht den Erfolg gehabt, den man sich erwünscht hatte, aber wir haben eine Menge dazu gelernt.

In den letzten Wochen und Monaten wurde immer wieder bemängelt, dass deutsche Spieler nicht genug Einsatzzeit in der besten deutschen Basketballliga bekommen. Nun hat sich die Liga vorgenommen, durch die Erhöhung deutscher Spieler auf dem Melde- bzw. Spielberichtsbogen die Quote bis 2012 auf 30% anzuheben. Die tatsächliche Einsatzzeit deutscher Spieler liegt momentan bei 18,6%! Hältst Du die Maßnahmen, die die BBL getroffen hat, für ausreichend, oder würdest Du eher eine Lösung befürworten wie beispielsweise die in Polen, wo zu jeder Zeit mindestens zwei einheimische Spieler auf dem Feld stehen müssen.

Ich fände es schon gut, wenn ein deutscher Spieler immer auf dem Feld stehen müsste. Es gibt viele Teams, die ihre jungen Spieler auf der Bank versauern lassen. Wenn die Amerikaner 40 Minuten auf dem Feld stehen, kann man keine höhere Quote erreichen. Deshalb sollte immer mindestens ein Deutscher auf dem Feld sein – auf zwei Spieler könnte man das Ganze dann immer noch erhöhen – zusätzlich noch mindestens vier auf der Bank. Wenn das klappt, wäre das meiner Meinung nach schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Was müsste sich aus Deiner Sicht in Zukunft ändern, um mehr junge Spieler in Deutschland für Basketball zu begeistern?

Ich glaube wir sind im Moment auf einem guten Weg. Basketball wird in den Medien wieder populärer. Seit dieser Saison kann man die Spiele wieder im Free-TV sehen. Auch im Internet wird der Sport immer beliebter. Außerdem gibt es viele Camps und andere Möglichkeiten, die Jugendlichen für den Basketballsport zu begeistern. Ich glaube, im Moment werden viele Jugendliche darauf aufmerksam, dass Basketball ein recht schöner Sport ist. Ich fände es gut, wenn das noch weiter ausgebaut würde, sodass mehr Leute zuschauen, noch mehr Spaß am Basketball haben und natürlich auch zu den Vereinen gehen und spielen wollen.

Was kommt nach Dirk?

Ich denke schon, dass es auch nach Dirk Nowitzkis Zeit mit dem Basketball weiter nach vorne gehen wird. Natürlich ist Dirk in der NBA und in den Medien wahnsinnig präsent und pusht alles, was mit Basketball zu tun hat. Ich glaube, dass Dirk noch eine Weile spielen und dann nach seiner aktiven Zeit alles so gefestigt sein wird, dass man Dirk in der NBA als Aushängeschild nicht mehr unbedingt braucht.

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