Marko Pesic ist 97-facher Nationalspieler und gewann neben sechs deutschen Meisterschaften und fünf Pokalsiegen auch die Bronze-Medaille bei der Weltmeisterschaft 2002 sowie Silber bei der Europameisterschaft 2005. Aktuell ist der 34-jährige Geschäftsführer der Spielervermittlungsagentur Lumani 10.7 GmbH. wknD hat mit ihm über die Situation des deutschen Basketballs gesprochen.
Marko, Du hast vor kurzem erwähnt, dass Robin Benzing zu 99,9% in der nächsten Saison nicht in der NBA spielen wird. Wie wird seine Offseason aussehen und wo wird er letztendlich im nächsten Jahr spielen?
Marko Pesic: Dass Robin zu 99,9% in der nächsten Saison nicht in der NBA spielt, habe ich so nicht gesagt. Ich denke aber, es ist im Moment unwahrscheinlich, dass er schon im nächsten Jahr in der NBA spielt. Wir müssen einfach sehen, wie die Saison zu Ende geht. Wenn er hoffentlich gedraftet wird, schauen wir, wie die Situation ist. Das Wichtigste ist im Moment für Robin, dass er in Ulm eine erfolgreiche Saison spielt, und dass die Ulmer, als junge Mannschaft, im Vergleich zum letzten Jahr einen Schritt nach vorne kommen.
Im Sommer wird Robin dann den nächsten Schritt machen. Wo er im nächsten Jahr spielt, wird einfach davon abhängen, wie er diese Saison zu Ende bringt. Es ist wichtig, dass Robin diese Saison gut zu Ende spielt und sich sowohl individuell als auch mannschaftlich entwickelt. Ich glaube, dass er auch in einer Mannschaft, die um die Meisterschaft spielt, eine gute Rolle spielen könnte. Die Konkurrenz ist dort natürlich groß, aber mit diesem Druck muss er umgehen können, wenn er etwas erreichen will. Bis zum Sommer ist es allerdings noch lange hin und es lohnt sich nicht darüber zu spekulieren.
Robin hat immer betont, dass Spielzeit für ihn sehr wichtig ist. Viele deutsche Spieler bekommen nicht genug Spielzeit. Können die deutschen Spieler überhaupt effektiv sein und Topleistungen abrufen, wenn es ihnen an Spielzeit mangelt?
Ich glaube nicht, dass es den guten deutschen Spielern an Spielzeit mangelt. Die Spielzeit der deutschen Spieler in der BBL entwickelt sich momentan sehr gut. Natürlich könnte hier und da ein Spieler mehr spielen.
Du bist also nicht der Meinung, dass es zu wenige deutsche Führungsspieler gibt, die genug Verantwortung in ihrem Team übernehmen?
In Deutschland haben wir im Moment wenige einheimische Spieler zwischen 27 und 30 Jahren, die wirklich reif genug sind, um diese Führungsrolle auch vollständig übernehmen zu können. Wir haben aber eine sehr talentierte Generation von Spielern, die 24 Jahre oder jünger sind. Diesen Spielern muss man Zeit geben, damit sie sich entwickeln. Nichtsdestotrotz sind sie aber auch jetzt schon in der Lage eine Mannschaft zu führen und sie gehören zu den wichtigsten Spielern innerhalb ihrer Mannschaft. Philipp Schwethelm spielt eine sehr wichtige Rolle in Bremerhaven, Tibor Pleiß in Bamberg, Philip Zwiener in Trier sowie Per Günther und Robin Benzing in Ulm. Man sieht im Moment eine sehr positive Entwicklung bei diesen Spielern.
Das Abschneiden der Nationalmannschaft war in den letzten beiden Jahren leider weniger erfolgreich. Wie beurteilst du momentan die Situation der Nationalmannschaft?
Wir haben im Moment wirklich eine sehr junge Mannschaft. Meine Generation war damals auch nur 12. oder 13. bei der Europameisterschaft in Barcelona 1999. Bei solchen Generationswechseln ist das ein ganz normaler Vorgang. Das sieht man auch an den Handballern im Moment. Dieses Thema ist meiner Meinung nach damals etwas zu sehr hochgespielt worden. Junge Spieler müssen auch durch Misserfolge gehen, um Erfahrung zu sammeln. Wenn man nun die beiden letzten Turniere nimmt, dann kann man nur bei der Weltmeisterschaft 2010 von einem Misserfolg sprechen, auch wenn dieser vor allem den Spielern wirklich wehgetan hat. Diese Misserfolge müssen die Spieler hinnehmen, daran wachsen und dadurch stärker werden. Bei der WM haben wir einige gute und einige weniger gute Spiele gezeigt und in manchen Situationen auch einfach Pech gehabt. Ich stemple das als eine Erfahrung für die Zukunft ab.
Zwischen den einzelnen BBL-Klubs gibt es starke Unterschiede was die Spielzeit deutscher Spieler angeht? In Ulm und Trier spielen sie z.B. mehr als in Oldenburg. Wie erklärst du dir das?
Ich könnte mir vorstellen, dass z.B. ein Per Günther in Oldenburg eine gute Rolle spielen könnte. Entscheidend ist die Anzahl der guten deutschen Spieler in einem Verein. Es gibt genug starke deutsche Spieler aber das Problem ist, dass es sie nicht in jedem Verein gibt.
Beispielsweise gibt es in Bayern eine sehr hohe Anzahl von guten deutschen Spielern, die das Niveau haben, Bundesligabasketball zu spielen. Ich denke, das Ganze hängt auch vom Konzept des Vereins ab. Zudem liegt es natürlich auch daran, zu welchem Verein die Spieler wechseln. Das ist im Profisport aber nun mal so. Im Fußball spielen auch mehr deutsche Spieler bei Bayern als z.B. bei Freiburg.
Sind kleinere Klubs vor allen Dingen für junge Spieler am Anfang ihrer Karriere die richtige Adresse?
Das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Wir haben einen Tibor Pleiß, der in Bamberg bei einem stärkeren Verein seine Möglichkeit bekommt. Philip Zwiener dagegen ist jetzt von einem starken Verein, wie Berlin, zu einem kleineren Verein, nach Trier, gewechselt. Robin Benzing und Per Günther sind als junge Spieler zu einem weniger erfolgreichen Klub gegangen, um sich dort zu entwickeln und dann später vielleicht mal zu einem besseren Verein zu wechseln. Jeder Spieler geht andere Wege und jeder muss für sich entscheiden, was für ihn die richtige Option ist. Für den richtigen Weg gibt es keine Garantie.
Alba Berlin hatte im vergangenen Jahrzehnt immer wieder starke Nachwuchsspieler. In den letzten Jahren kamen weniger gute Spieler nach. Wie erklärst du dir dieses Phänomen?
Das Problem ist, dass Albas zweite Mannschaft, TuS Lichterfelde, damals in der zweiten Liga spielte. Man konnte den Spielern dort eine bessere Perspektive bieten als im Moment. In den letzten Jahren konnten sich die Spieler der zweiten Mannschaft nur in der Regionalliga beweisen. In dieser Saison hat Alba eine ProB-Mannschaft, wo das Niveau natürlich höher ist als in der Regionalliga. Andreas Seiferth bringt es in dieser Saison sicherlich mehr, in der ProB zu spielen als in der Regionalliga. Meiner Meinung nach ist es wichtig für ein Profiteam eine zweite Mannschaft zu haben, um den jungen Spielern, die nicht das Zeug haben, sofort in der ersten Liga mitzuhalten, mindestens ein ProB-Level als Partner zu haben, damit diese Spieler eine Perspektive haben, um auf ein ordentliches Niveau zu kommen. Das ist der entscheidende Punkt, wenn wir über die Entwicklung der jungen Spieler sprechen. In Bamberg geht dieses Konzept mit der zweiten Mannschaft in Breitengüßbach ebenfalls auf. Wichtig ist, dass diese zweite Mannschaft so hoch wie möglich spielt. Die Spieler, die aus der JBBL und anschließend aus der NBBL herauskommen, haben so die Perspektive, sich auf einem guten Level weiterzuentwickeln und irgendwann den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.
Jetzt haben wir viel über die deutschen Spieler an sich gesprochen. Denkst du, die Rahmenbedingungen sind von der Liga erfüllt, sprich: Ist die Quote hoch genug oder würdest Du weitere Änderungen empfehlen?
Die Quote ist nur ein Alibi. Sie ist eine Hilfestellung, aber sie darf nicht mehr als das sein. Die Spieler müssen Verantwortung für sich, ihr Spiel, ihren Körper und ihre sportlichen Ziele übernehmen. Diese Chance müssen sie nutzen. Es gibt keine Garantie. Die Quote ist besser als vor fünf Jahren. Die deutschen Spieler haben jetzt eine Möglichkeit, sie haben eine Plattform bekommen. Im Gegenzug dazu müssen sie aber hart arbeiten und die Verantwortung für sich und für ihr Spiel übernehmen, damit sie diese Hilfestellung ausnutzen können. Ich finde diese Regelung gut und mehr als fair. So haben die deutschen Spieler im Moment genug Möglichkeiten sich anzubieten und auch ernst genommen zu werden, aber es liegt im Endeffekt an ihnen selbst.
Euer Ziel bei Lumani 10.7 ist es, deutsche Spieler mit Perspektive zu betreuen. Welcher deutsche Spieler hat denn aktuell die beste Perspektive oder anders gefragt: Was kommt nach Dirk?
Nach Dirk Nowitzki kommt eine sehr gute Generation. Wir haben eine sehr starke Generation der Jahrgänge 1988 und 1989, eine überragende Generation der Jahrgänge 1993 und 1994 und eine ordentliche Generation 1995, was sich bald noch zeigen wird. Es gibt in jedem Jahrgang ein oder zwei gute Spieler, aber es liegt an jedem Spieler selbst, was er aus seinen Möglichkeiten macht. Zudem liegt es an uns allen, diese Spieler zu unterstützen, wir als Agentur genauso wie die Vereine, die Liga und die Medienlandschaft. Man sollte den Spielern jetzt nicht alles nachtragen, man muss sie auch kritisieren, wenn sie Fehler machen, aber zugleich sollte man ihnen die nötige Unterstützung bieten und ihnen bei ihrer Entwicklung helfen.
Ich weiß nicht, ob wir in der nächsten Zeit noch mal Spieler wie Schrempf oder Nowitzki haben werden, aber wir haben eine sehr gute Generation von jungen Spielern, die, wenn sie zusammen bleiben, in zwei bis drei Jahren für sehr gute Ergebnisse sorgen werden.
Verwandte Artikel:wknD Interview mit Robin Benzing Robin Benzing ist mit 15,5 Punkten pro Partie der derzeit beste deutsche Scorer und nach Tibor Pleiß der heißeste deutsche Kandidat für...
wknD Interview mit Philip Zwiener Philip Zwiener steht wie kein anderer Spieler für die erhöhte Spielzeit der deutschen Akteure in dieser Saison. Mit fast 30 Minuten Einsatzzeit...
wknD? Interview mit Per Günther Per Günther ist Deutschlands größtes Nachwuchstalent auf der Point Guard Position. In seiner zweiten Saison bei Ratiopharm Ulm hat sich der 21-jährige nochmals weiterentwickelt und gehört...
wknD Interview mit Robin Benzing Robin Benzing ist mit 15,5 Punkten pro Partie der derzeit beste deutsche Scorer und nach Tibor Pleiß der heißeste deutsche Kandidat für...
wknD Interview mit Philip Zwiener Philip Zwiener steht wie kein anderer Spieler für die erhöhte Spielzeit der deutschen Akteure in dieser Saison. Mit fast 30 Minuten Einsatzzeit...
wknD? Interview mit Per Günther Per Günther ist Deutschlands größtes Nachwuchstalent auf der Point Guard Position. In seiner zweiten Saison bei Ratiopharm Ulm hat sich der 21-jährige nochmals weiterentwickelt und gehört...





Ein Kommentar
Marko sagt, dass es in Deutschland eine überragende Generation der Jahrgänge 93 und 94 gibt. Ich denke aber dass die 92er Generation noch stärker ist und die 95er auf ähnlichem Niveau wie die 92er ist.