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wknD? Interview mit Michael Koch

Als Cheftrainer hat Michael Koch die Telekom Baskets Bonn in den letzten Jahren zu einer absoluten Top-Mannschaft in der BBL geformt. wknD hat den Bonner Erfolgscoach nach dem wichtigen Sieg gegen Göttingen getroffen und mit ihm über die Chancen seiner Mannschaft in dieser Saison, seine deutschen Spieler und die Quote in der BBL gesprochen.

wknD: Herr Koch, nach einer etwas schwächeren Saisonphase, mit deutlichen Niederlagen in Bremerhaven und Berlin, haben Sie sich nun in den letzten Wochen wieder gefangen. Wie wichtig war es, auch im Hinblick auf die Platzierungen für die Playoffs, in Bremerhaven und zu Hause gegen Göttingen zu gewinnen?

Michael Koch: Im Basketball gibt es immer kleinere Ups and Downs. Alle Mannschaften müssen Stretches durchstehen. Nachdem wir sehr viele Spiele in Folge gewonnen hatten, sind wir wohl etwas zu selbstbewusst nach Bremerhaven gefahren. Wir hatten vor dem Spiel in Bremerhaven neun der letzten elf Spiele gewonnen. In so einer Situation passiert es einer Mannschaft öfter, dass sie nicht 100%ig da ist, weil sie glaubt, es mit 80% zu schaffen. So kommt es dann zu  einer Niederlage, wie der in Bremerhaven und diese kann auf eine Mannschaft schon  stark einwirken. Das haben wir dann in Berlin gesehen, wo die Mannschaft gar kein Bein auf den Boden bekommen hat. Deswegen war es für uns natürlich enorm wichtig, die Kurve jetzt wieder zu bekommen. Alle Spiele in den letzten Wochen waren schwierig, zu Hause gegen Düsseldorf und in Bremerhaven haben wir nur sehr knapp gewonnen. Dass wir jetzt das Spiel gegen eine Spitzenmannschaft wie Göttingen einigermaßen deutlich gewonnen haben, ist ganz wichtig in Hinblick auf die letzten Spiele in der Hauptrunde und natürlich auch für die Playoffs.

Noch möglichst viele Spiele in der Hauptrunde zu gewinnen ist aufgrund der aktuellen Tabellensituation für eine gute Ausgangsposition in Hinblick auf die Playoffs enorm wichtig. Wie sehen Ihre konkreten Ziele für das Ende der regulären Saison aus?

Wir haben vor dem Spiel gegen Göttingen gesagt, dass wir jetzt noch einmal angreifen wollen. Wir haben in Bremerhaven gewonnen und zu Hause gegen Frankfurt und Bamberg. Die Mannschaften die hinter uns waren, haben wir also auf Distanz gehalten. Vor dem Spiel heute lagen wir zwei Spiele hinter den ersten drei Mannschaften.  Da Göttingen  noch ein paar Nachholspiele hat, sind wir bis auf ein Spiel dran. Gegen Oldenburg spielen wir noch zu Hause und haben so auch noch einmal die Chance den Oldenburgern einen Punkt wegzunehmen. Natürlich müssen wir uns auch ein wenig auf die anderen Mannschaften verlassen. Es aus eigener Kraft zu schaffen ist schwierig, aber solange wir unsere Spiele gewinnen, haben wir noch Chancen auf Platz drei oder sogar noch auf Platz zwei zu kommen.

Nun sind die Erwartungen nach den tollen letzten Jahren ja sehr hoch. Was kann Ihre Mannschaft in dieser Saison erreichen und ist sie jetzt noch besser als in der letzten Saison?

Die Mannschaft spielt anders als im letzten Jahr. Wir haben in dieser Saison vor allem eine größere Präsenz am Brett. Mit Vincent Yarbrough haben wir einen Spieler in der Hinterhand, der im Moment noch verletzt ist. Das heißt, wenn er für die Playoffs wieder fit sein wird, dann sind wir noch tiefer und auch noch stärker besetzt als im letzten Jahr. Also ich hoffe, dass er bald zurückkommen wird, dann haben wir noch mehr und noch bessere Möglichkeiten auszuwechseln, können Dupree und Yarbrough das eine oder andere Mal auch auf der Vier spielen lassen und sind somit noch variabler. Ich glaube, dann hat die Mannschaft das Potential  in den Playoffs wieder weit zu kommen. Allerdings ist das in den Playoffs so eine Sache. Wir haben letztes Jahr gesehen, dass man auch als Vierter ins Endspiel kommen kann, aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt. Die Mannschaft ist jedoch stabil, sie ist gefestigt und passt sehr gut zusammen und wenn die Chemie  stimmt, dann stehen auch die Chancen gut, dass man in den Playoffs weit kommt.

Tim Ohlbrecht hat natürlich auch einen großen Anteil am bisherigen Saisonverlauf der Mannschaft. Der deutsche Nationalspieler hat sich in nahezu allen Kategorien im Vergleich zur Vorsaison gesteigert und gehört zu den Spielern der Liga, die sich im Vergleich zum Vorjahr am meisten verbessert haben. Was machen Sie mit ihm anders als ihre Vorgänger?

Zum einen habe ich seine Position gewechselt. Er hat ja sehr häufig auf der Centerposition gespielt, auch noch im letzten Jahr in Bamberg. Ich habe ihn jetzt auf die Position vier gestellt, wo er, meiner Meinung nach, besser zur Entfaltung kommt, da er ein sehr guter Dreipunktewerfer ist. Er trifft fast 40% von der Dreipunktelinie. Zudem ist er ein guter Rebounder und kann Würfe blocken. Tim ist jung und hat noch einige Schwankungen in seinem Spiel, aber ich glaube, er hat einen großen Weg vor sich. Ich habe da gar nicht so viel gemacht. Einem Spieler seines Alters und Formats muss man Selbstvertrauen geben. Das bekommt er von uns. Außerdem erhält er  Spielzeit und wird nicht beim ersten Fehler ausgewechselt. Das hilft ihm natürlich.

Über welches Potential Tim Ohlbrecht verfügt, kann man in dieser Saison ja bereits sehr gut sehen. Ist in den nächsten Jahren noch eine weitere Leistungssteigerung möglich?

Da ist noch viel Luft nach oben drin. Es wird bei Tim oft übersehen, dass er erst 21 Jahre alt ist und jetzt schon seine fünfte Saison in der Bundesliga spielt. Er war ja schon in Leverkusen und dann in Bamberg aktiv. Viele vergessen das. Als 21-jähriger hat er seine Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen sondern da wird noch viel kommen. Er muss noch daran arbeiten, dass er von außen mit seiner Größe auch aus dem Dribbling heraus agieren und dadurch dann auch mehr zum Korb ziehen kann. Ich glaube, er hat seine große Zukunft vor sich. Spieler mit diesem Talent und dieser Größe sind in Europa und auch auf der ganzen Welt nicht so breit gesät. Nicht umsonst sind immer wieder NBA-Scouts hier um sich Tim Ohlbrecht anzuschauen.

Neben Tim Ohlbrecht bekommen auch noch weitere deutsche Spieler in Bonn ihre Einsatzzeiten. Warum gelingt es Ihnen besser, deutsche Spieler in die Mannschaft zu integrieren, als den meisten anderen Mannschaften der BBL?

Ich weiß nicht ob mir das besser gelingt. Ich setze eben auf deutsche Spieler. Ich bin ein deutscher Trainer und glaube, dass die Quote, die wir jetzt haben, immer noch nicht hoch genug ist. Man sieht, dass wir hier mit einem Nationalspieler und drei weiteren Deutschen spielen. Trotzdem funktioniert es. Das zeigt mir, dass wir genug Potential in Deutschland haben um deutschen Spielern auch Spielzeit geben zu können. Als deutscher Trainer fühle ich mich dazu verpflichtet es so zu machen und das wird auch weiterhin  der Fall sein.

Ist es notwendig, die Quote dahingehend zu erhöhen, dass zu jeder Zeit ein deutscher Spieler auf dem Feld stehen muss, wie es Bundestrainer Dirk Bauermann schon seit längerer Zeit fordert?

Ich glaube, dass uns andere Ligen schon vorgemacht haben, die Ausländer zu limitieren oder ein bis zwei einheimische Spieler immer auf dem Feld zu haben. Dadurch gibt man auch den jungen Spielern eine Perspektive. Die hat in den letzten Jahren in Deutschland gefehlt. Viele deutsche Spieler haben sich die deutsche Bundesliga angeschaut, in jedem Kader Amerikaner gesehen und sich fast schon gefürchtet irgendwo nachzufragen, weil sie sich gesagt haben: Da spiele ich sowieso nicht. Spielzeit ist für Spieler am wichtigsten. Ich glaube, dass man jungen Spielern über die Pro B und über die Pro A aber eben dann auch über die BBL Spielzeit geben muss. Wenn man das macht, dann bekommt man etwas zurück. Das sieht man bei unseren Spielern. Manchmal sind sie zwar nur Rollenspieler, aber sie erfüllen ihre Rolle sehr gut, spielen mit Herz und geben alles. Das ist das Wichtigste.

Nun wird ja oft argumentiert, es sei schwierig immer darauf zu achten, dass mindestens ein deutscher Spieler spielt und dass dadurch dem Trainer das Leben schwer gemacht werde. Wie beurteilen sie diese Argumentation?

Das halte ich für eine Ausrede. Es funktioniert in der Pro B und in der Pro A und es würde auch in der BBL funktionieren. Ein Trainer hat ja auch einen Assistent-Coach, der mit darauf  achten kann. Ich glaube, das einzige Argument dagegen ist, dass das Coaching beeinflusst wird. D.h. wenn ich beispielsweise einen deutschen Spieler auf der Position vier habe der ausfällt und es dahinter keinen weiteren deutschen Spieler gibt,  dann bin ich folglich dazu gezwungen auf einer anderen Position einen deutschen Spieler einzusetzen um die Quote zu erfüllen. Ich muss das Coaching also ein bisschen anpassen.

Nun besteht die Problematik dennoch erst einmal weiter, dass es in der BBL an deutschen Stars mangelt. Inwiefern wäre es für die Entwicklung der Liga sinnvoll,  mehr deutsche Spieler zu Leistungsträgern in ihren jeweiligen Teams zu entwickeln?

Die Liga hat durch die Öffnung, mit den vielen Amerikanern, im internationalen Vergleich schon an Wert gewonnen. Die Ergebnisse deutscher Mannschaften in den europäischen Wettbewerben haben sich in den letzten Jahren verbessert. Trotz dieser Entwicklung dürfen wir aber die deutschen Spieler nicht vergessen. Ich glaube weiterhin, dass es genügend deutsche Spieler auf dem Markt gibt, die in deutschen Mannschaften eine Rolle spielen können und dass es auch noch genügend Spieler gibt, die eine Führungsrolle in einer Mannschaft übernehmen können. Es muss nicht sein, dass viele unserer besten Nationalspieler im Ausland spielen. Die Liga ist attraktiv, man muss sie  weiterhin attraktiv halten, aber eben auch für deutsche Spieler und besonders für den Nachwuchs. Das größte Manko ist, dass wir zu viele Stellen mit Ausländern besetzen. Daran müssen wir arbeiten, um auch jungen deutschen Spielern frühzeitig Chancen zu geben.

Was kommt nach Dirk?

Die Rolle von Dirk Nowitzki kann keiner übernehmen, das muss man ehrlich zugeben. Dirk Nowitzki ist ein Ausnahmespieler, den es nur ein Mal in 100 Jahren gibt, wenn überhaupt. Er hat sehr hart gearbeitet, um da hin zu kommen wo er jetzt ist und nach ihm wird es eine Lücke geben. Wir haben aber genügend Spieler, die diese Lücke füllen können. Es wird nicht einer, es müssen mehrere sein. Ich glaube, die letzte Europameisterschaft hat schon ein wenig bewiesen, dass es auch ohne Nowitzki geht, vielleicht nicht ganz auf dem Level wie mit ihm, aber es sind Talente da, die gezeigt haben, dass sie spielen können. Sie sind bei der Europameisterschaft in die zweite Runde gekommen, es ist also Potential vorhanden und das muss man einfach nur abrufen.    

  

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2 Kommentare

  1. Geschrieben am 19. März 2010 um 14:27 Uhr | Permalink

    Schönes Interview mit unserem Mann an der Seitenlinie! :) Danke dafür!

  2. Chris
    Geschrieben am 7. April 2010 um 16:57 Uhr | Permalink

    Jo, dem stimme ich voll zu. Es macht Spass Mike´s Interviews zu lesen. Bin froh ihn bei uns in Bonn als Coach zu haben!
    Auch ich bin für die Orientierung mehr Deutsche im Team / auf dem Spielfeld zu haben. Im europäischen Vergleich würden wir mittelfristig sicher verlieren, aber die Ergebnisse werden sich nach einigen Jahren sicher sehen lassen!

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